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Microliving bezeichnet Wohnformen, deren Wohnfläche deutlich unter dem landesüblichen Durchschnitt liegt – oft zwischen 30 und 45 Quadratmetern. Zentral ist dabei, dass diese kleinen Wohneinheiten trotz ihrer kompakten Ausmasse sämtliche Grundfunktionen des Wohnens abdecken, sprich: Küche, Bad und Schlafgelegenheit. Sie sind also nicht einfach kleine Zimmer, sondern möglichst autarke Wohnwelten im Mini-Format. Zugleich legen viele dieser Konzepte Wert auf ökologische Nachhaltigkeit. Weniger Fläche bedeutet in der Regel einen geringeren Ressourcenverbrauch – von den Baumaterialien bis hin zum Energiebedarf für Heizung und Strom.
Laut einer Studie des GDI Gottlieb Duttweiler Instituts sind in puncto Wohnen besonders zwei Trends prägend: Individualisierung und Verdichtung. Die Zahl der Ein-Personen-Haushalte in der Schweiz nimmt zu – in manchen Städten machen sie bereits nahezu die Hälfte aller Haushalte aus. Damit steigt auch der Bedarf an kleineren Wohneinheiten.
Gleichzeitig ist Wohnraum in Städten knapp, und der nachhaltige Umgang mit Flächen gewinnt gesellschaftlich wie politisch immer mehr an Bedeutung. Microliving erscheint hier als gangbare Lösung, die vielen Bedürfnissen gerecht werden kann – und gleichzeitig noch Raum für Gemeinschaft bietet.
Hallenwohnen in Zürich: In diesem ungewöhnlichen Co-Housing-Projekt teilen sich die Bewohner grosse Hallen und gestalten mobile Wohntürme individuell. Zusammenleben und Arbeiten gehen hier Hand in Hand, das Gemeinschaftserlebnis steht im Vordergrund.
Micro-Apartment Development L1VE in St. Gallen: Dieser Neubau setzt auf platzsparende, flexible Elemente – etwa ausklappbare Betten oder verschiebbare Schrankwände, damit der begrenzte Raum maximal genutzt werden kann, ohne auf Komfort zu verzichten.
Hunziker Areal in Zürich: Hier verteilen sich 370 Wohnungen auf einen städtischen „Mikrokosmos“, der von klassischen Wohnungstypen bis hin zu gemeinschaftlich geteilten Räumen reicht. Es entsteht ein Mix, bei dem verschiedenste Lebens- und Wohnformen zusammenfinden.
Diese Beispiele stehen stellvertretend für die Dynamik und Vielfalt im Bereich Microliving: Sie alle betonen, dass kleiner Wohnraum nicht zwangsläufig Verzicht bedeutet, sondern in Verbindung mit intelligenten Gemeinschaftskonzepten hohe Lebensqualität schafft.
Regulatorische Hürden: In der Schweiz sind Tiny Houses oder Minieinheiten nicht überall ohne Weiteres genehmigungsfähig. Gerade in ländlichen Gegenden oder historisch gewachsenen Ortskernen können baurechtliche Anforderungen anspruchsvoll sein.
Kosten für Nachhaltigkeit: Ein durchdachtes ökologisches Konzept mit hochwertigen Materialien verursacht anfangs höhere Baukosten. Damit sich Microliving breit durchsetzt, müssen diese Kosten langfristig erschwinglich bleiben.
Langfristige Akzeptanz: Nicht jede oder jeder möchte dauerhaft auf engem Raum leben. Microliving kann Phasen im Leben abdecken (z. B. Berufsstart, Studium, Wochenaufenthalt), doch mancherorts ist die Nachfrage noch unsicher.
„Filterblasen“-Risiko: Wenn alle Bedürfnisse – von Fitnessraum bis Coworking-Space – in einer Art „Wohndorf“ abgedeckt werden, laufen Microliving-Entwicklungen Gefahr, sich vom urbanen Umfeld abzukapseln. Eine gute städtebauliche Einbindung ist daher entscheidend.
Die Studien des GDI Gottlieb Duttweiler Instituts legen nahe, dass sich Microliving durch Individualisierung und Verdichtung weiter verbreiten wird. Das Wohnen auf kleinem Raum ermöglicht, Ressourcen zu schonen und sozialen Austausch auf neue Weise zu gestalten. Dabei wirken soziale Trends weit stärker als technologische Entwicklungen: Nicht Hightech-Lösungen prägen unser Wohngefühl, sondern der Wunsch nach Gemeinschaft und Selbstbestimmung.
Gleichzeitig bleiben zentrale Fragen offen:
Microliving ist mehr als nur ein Trend: Es vereint nachhaltige Architektur, soziale Innovation und ökonomische Vernunft. Gerade in der Schweiz, wo Bauland rar ist und städtischer Wohnraum immer teurer wird, kann Microliving eine zukunftsweisende Antwort auf das veränderte Bedürfnis nach Wohn- und Lebensraum sein. Wichtig dabei ist, dass Architekten, Investoren und Behörden von Anfang an ganzheitlich planen. Nur so entstehen Kleinwohnungen, die langfristig attraktiv sind und in denen sich Menschen rundum wohlfühlen – auch auf nur 30 Quadratmetern.
Sie haben Fragen zu Microliving oder wünschen sich eine Beratung für Ihr Projekt?
Wir von Verling Architekten begleiten Sie gerne auf Ihrem Weg – von der ersten Idee bis zur baurechtlichen Umsetzung. Unsere Erfahrung im Bereich nachhaltiger und zukunftsorientierter Wohnkonzepte hilft Ihnen, den begrenzten Raum optimal zu nutzen und ein Zuhause zu schaffen, das Ihren Bedürfnissen entspricht.